Anwaltmangel in sozialen Bereichen

Die Krise trifft auch die Anwälte, bietet aber gleichzeitig die Chance für Jungjuristen in den sozialen Bereichen. Arbeitsrecht, Insolvenzrecht oder Verbraucherschutzrecht wird mehr und mehr in den Mittelpunkt rücken und bietet den Jurastudenten eine Alternative.

Zwar gibt es dort nicht so viel Geld zu verdienen wie im M&A Bereich oder dem Gebiet Privat Equity, aber einen festen Platz mit Zukunft auf dem man sich sicher in Nischen- und Randgebieten bauen und sich etablieren kann.

Aber die fetten Jahre sind vorbei. „M&A ist auf dem Tiefstand, Private Equity am Boden“, klagte Thomas Müller, Partner der Kanzlei Hengeler Mueller jüngst auf einer Podiumsdiskussion. „Die Großkanzleien sind sehr zurückhaltend in ihrer Einstellungspolitik“, sagt Mathieu Klos, der als Redakteur des Ausbildungsmagazins Azur den Markt beobachtet. „Sie sagen nur öffentlich, dass sie weiter Leute einstellen, um Präsenz auf dem Markt zu zeigen.“ Die besten 5 Prozent eines Jahrgangs hätten keine Schwierigkeiten, „aber mit nur einer Prädikatsnote und ohne weitere Qualifikationen hat man es viel schwerer.“ Zudem trennen sich viele Sozietäten von Mitarbeitern mit zwei, drei Jahren Erfahrung, um Platz zu schaffen. Wohin zieht es also gute Anwälte und Absolventen in dieser Situation, wo gibt es für sie Chancen?
Die Krise als Chance - auch Juristen können sie nutzen.

Vielleicht ist jetzt für gute Nachwuchsjuristen der Moment gekommen, das „Nader“-Prinzip zu befolgen. Ralph Nader, amerikanischer Politiker, Jurist und zeitweise Präsidentschaftskandidat, liegt Amerikas Jura-Studenten seit Jahren in den Ohren: Lasst euch nicht von großen Anwaltsfabriken aufsaugen, verkauft nicht Eure Ideale, besinnt euch auf die soziale Aufgabe von Rechtsberatern!


Drei Tatsachen müsse jeder Jurist begreifen, schrieb Nader einst in einer Studentenzeitschrift:

1. Anwälte können die Gesellschaft verändern.

2. Schon Jura-Studenten können die Gesellschaft verändern.

3. Aber so gut wie alles und jeder wird während Ihres Studiums versuchen, Sie genau davon abzuhalten.
Außerdem nehmen viele qualifizierte Absolventen derzeit auch wieder verstärkt einen Arbeitgeber in den Fokus, den sie zeitweise ignorierten: nämlich den Staat. „Allein in Nordrhein-Westfalen fehlen mehr als 500 Richter und 200 Staatsanwälte“, sagt Reiner Lindemann, Vorsitzender des dortigen Richterbundes.

Auch Hermann Plagemann, Anwalt in Frankfurt und Professor an der Universität Mainz, bemüht sich um einen Sinneswandel seiner Studenten. Mit seinem Fachgebiet, dem Sozialrecht, hat er es aber bei den meisten schwer. „Man wird mit Sozialrecht nie so viel verdienen wie mit M&A. Sie kommen nicht mal in Reichweite dieser Summen.“ Der Gesetzgeber kappe die Honorare, und Gewerkschaften und Sozialverbänden machten Anwälten gehörig Konkurrenz.
Oder wie Ralph Nader sagen würde: „The choice is yours. And its coming fast.“
via FAZ :

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